Gutes Sehen von Anfang an – von der Geburt bis ins Schulalter

Gutes Sehen ist keine Selbstverständlichkeit. Etwa jedes fünfzigste Kind entwickelt ohne frühzeitige Behandlung eine bleibende Sehschwäche – häufig nur auf einem Auge.

Das Problem: Schlechtes Sehen verursacht keine Schmerzen. Kinder bemerken Sehprobleme meist nicht selbst, da ihnen der Vergleich zu normalem Sehen fehlt. Deshalb bleiben Sehstörungen oft lange unentdeckt.

Eine frühzeitige augenärztliche Vorsorge ist entscheidend, damit Ihr Kind richtig sehen lernt und sich gesund entwickeln kann.

Warum frühe Augenuntersuchungen so wichtig sind

In den ersten Lebensjahren reift das Sehvermögen Ihres Kindes entscheidend aus. Wird diese Entwicklung — insbesondere in den ersten Lebensmonaten — gestört, kann eine dauerhafte Sehschwäche entstehen.

Diese sogenannte Schwachsichtigkeit (Amblyopie) bezeichnet eine bleibende Verminderung der Sehschärfe, die später nicht mehr vollständig korrigierbar ist.

Normalerweise verarbeitet das Gehirn die Bilder beider Augen gleichwertig. Liefert jedoch ein Auge ein unschärferes Bild, wird es vom Gehirn zunehmend „unterdrückt“. Die Sehleistung dieses Auges kann sich dann nicht richtig entwickeln.

Rund fünf Prozent aller Kinder in Deutschland sind betroffen.

Mögliche Ursachen sind unter anderem:

  • unerkannte Fehlsichtigkeiten (Weitsichtigkeit, Kurzsichtigkeit, Hornhautverkrümmung)
  • verborgenes oder dauerhaftes Schielen
  • angeborene Augenerkrankungen

Je früher Auffälligkeiten erkannt werden, desto besser sind die Behandlungsergebnisse.

Empfohlene Vorsorgeuntersuchungen

Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und der Berufsverband der Augenärzte (BVA) empfehlen augenärztliche Vorsorgeuntersuchungen in folgenden Altersstufen:

  • ab dem 6. Lebensmonat
    (bei erhöhtem Risiko, z. B. Frühgeburt, familiäre Fehlsichtigkeit oder Schielen)
  • im Alter von etwa 3 Jahren
    (für alle Kinder)
  • vor der Einschulung
  • bis zum 12. Lebensjahr einmal pro Jahr

Familien mit bekannten Augenerkrankungen oder Fehlsichtigkeiten sollten möglichst früh augenärztlichen Rat einholen. Ein sogenanntes Amblyopie-Screening kann bereits ab dem 6. Lebensmonat sinnvoll sein.

Durch rechtzeitige Behandlung — beispielsweise mit einer Brille oder einer zeitweisen Abdeckung eines Auges — lässt sich eine Schwachsichtigkeit in vielen Fällen verhindern.

Wie läuft die Untersuchung ab?

Die Untersuchung wird individuell an das Alter Ihres Kindes angepasst und kann je nach Situation an einem oder mehreren Terminen erfolgen.

Auch wenn kleine Kinder ihre Sehschärfe noch nicht aktiv angeben können, lassen sich bereits zuverlässig erkennen:

  • Schielen und Augenfehlstellungen
  • Fehlsichtigkeiten
  • angeborene Augenerkrankungen

Ein besonders wichtiger Bestandteil ist die Untersuchung mit pupillenerweiternden Augentropfen. Nur so können versteckte Fehlsichtigkeiten objektiv und sicher gemessen werden.

Diese Untersuchung ermöglicht außerdem das frühzeitige Erkennen oder Ausschließen seltener, aber wichtiger Erkrankungen wie:

  • angeborener grauer Star
  • Netzhauterkrankungen
  • andere bislang unbemerkte Augenveränderungen

Zusammenarbeit mit der Sehschule

Bei Auffälligkeiten arbeiten wir mit speziell ausgebildeten Fachkräften der Sehschule (Orthoptistinnen) zusammen. Diese sind auf die Diagnostik und Behandlung von Sehschwächen und Schielerkrankungen bei Kindern spezialisiert.

Eine eigene Sehschule ist in unserer Praxis derzeit nicht vorhanden. Im Rahmen unserer Kooperation unterstützen wir Sie jedoch aktiv bei der Organisation eines zeitnahen Termins.

Wann sollten Sie zeitnah einen Termin vereinbaren?

Bitte stellen Sie Ihr Kind zeitnah augenärztlich vor, wenn:

  • Ihr Kinderarzt Auffälligkeiten festgestellt hat (Kinder bis zum 6./7. Lebensjahr bestenfalls in einer Sehschule vorstellen)
  • ein Verdacht auf Sehschwäche oder Schielen besteht (Kinder bis zum 6./7. Lebensjahr bestenfalls in einer Sehschule vorstellen)
  • Ihr Kind häufig stolpert, blinzelt oder ein Auge zukneift
  • Augenerkrankungen in der Familie bekannt sind

Eine frühe Diagnose schafft die besten Voraussetzungen für eine normale Sehentwicklung.